Die Wärmepumpe gilt als Heiztechnik der Zukunft - und ist längst in der Gegenwart angekommen. Doch wie kann ein Gerät aus kalter Winterluft warmes Heizwasser machen? Klingt nach Zauberei, ist aber solide Physik. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen verständlich, wie eine Wärmepumpe funktioniert, welche Arten es gibt und warum sie selbst bei Minusgraden zuverlässig heizt.

Das Grundprinzip: ein Kühlschrank, der andersherum arbeitet

Das Funktionsprinzip der Wärmepumpe kennen Sie bereits aus Ihrer Küche: Ihr Kühlschrank entzieht den Lebensmitteln in seinem Inneren Wärme und gibt sie über die Rückseite an die Küche ab. Die Wärmepumpe macht genau das Gleiche - nur mit vertauschten Seiten: Sie entzieht der Umgebung draußen Wärme und gibt sie drinnen an Ihr Heizsystem ab.

Das Entscheidende dabei: Auch kalte Luft, kaltes Erdreich oder kaltes Grundwasser enthalten Wärmeenergie. Physikalisch gesehen steckt selbst in Luft von -10 °C noch jede Menge nutzbare Energie - erst am absoluten Nullpunkt von -273 °C wäre wirklich „nichts mehr da". Die Wärmepumpe holt sich diese Energie und „pumpt" sie auf ein höheres Temperaturniveau, mit dem sich Ihr Haus beheizen lässt. Daher auch der Name.

Der Kreislauf: So entsteht aus Umweltwärme Heizwärme

Das Herzstück jeder Wärmepumpe ist ein geschlossener Kreislauf, in dem ein Kältemittel zirkuliert. Dieses Kältemittel hat eine besondere Eigenschaft: Es verdampft schon bei sehr niedrigen Temperaturen - und genau das macht sich die Wärmepumpe zunutze. Der Kreislauf läuft in vier Schritten ab:

  1. Verdampfen - Wärme aufnehmen: Im Verdampfer trifft das kalte, flüssige Kältemittel auf die Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser. Weil das Kältemittel noch kälter ist als die Wärmequelle, nimmt es deren Wärme auf und verdampft dabei - es wird gasförmig.
  2. Verdichten - Temperatur erhöhen: Der Verdichter (Kompressor) saugt das gasförmige Kältemittel an und presst es stark zusammen. Durch den hohen Druck steigt die Temperatur des Kältemittels deutlich an - auf ein Niveau, das zum Heizen taugt. Das kennen Sie von der Luftpumpe: Auch die wird beim Pumpen warm. Für diesen Schritt benötigt die Wärmepumpe Strom - es ist der einzige Punkt im Kreislauf, an dem Energie zugeführt wird.
  3. Verflüssigen - Wärme abgeben: Im Verflüssiger (Kondensator) gibt das heiße Kältemittel seine Wärme an das Heizungswasser ab - also an Ihre Fußbodenheizung, Ihre Heizkörper oder den Warmwasserspeicher. Dabei kühlt es ab und wird wieder flüssig.
  4. Entspannen - zurück auf Anfang: Das Expansionsventil senkt den Druck des flüssigen Kältemittels wieder ab. Dadurch wird es stark abgekühlt - kälter als die Wärmequelle draußen. Der Kreislauf beginnt von vorn.

Kurz gesagt: Die Wärmepumpe nimmt draußen kostenlose Umweltwärme auf, bringt sie mit etwas Strom auf Heiztemperatur und gibt sie drinnen an Ihr Heizsystem ab.

Warum ist das so effizient?

Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme durch Verbrennen - sie verschiebt vorhandene Wärme nur von draußen nach drinnen. Der Strom wird lediglich für den Verdichter gebraucht. Das Ergebnis: Aus 1 kWh Strom macht eine gut eingestellte Wärmepumpe typischerweise 3 bis 5 kWh Heizwärme. Die restliche Energie stammt kostenlos aus der Umwelt.

Wie effizient eine Anlage übers Jahr arbeitet, beschreibt die Jahresarbeitszahl (JAZ): Sie gibt an, wie viel Heizwärme pro eingesetzter Kilowattstunde Strom im Jahresdurchschnitt herauskommt. Eine JAZ von 4 bedeutet: viermal so viel Wärme wie eingesetzter Strom. Zum Vergleich: Ein Gas- oder Ölkessel kann aus 1 kWh Brennstoff physikalisch bedingt nie mehr als 1 kWh Wärme machen.

Wichtig zu wissen: Die Effizienz hängt vom Temperaturunterschied ab, den die Wärmepumpe überbrücken muss. Je wärmer die Wärmequelle und je niedriger die benötigte Heiztemperatur, desto sparsamer arbeitet die Anlage. Deshalb harmonieren Wärmepumpen besonders gut mit Flächenheizungen wie der Fußbodenheizung - sie kommen mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Aber auch mit passend dimensionierten Heizkörpern funktioniert eine Wärmepumpe einwandfrei.

Funktioniert das auch im Winter?

Ja - und zwar zuverlässig. Moderne Wärmepumpen heizen problemlos auch bei -15 °C und darunter. Richtig ist: Je kälter es draußen ist, desto mehr Strom braucht die Anlage, weil der Temperaturunterschied größer wird. In Skandinavien, wo die Winter deutlich härter sind als bei uns, gehören Wärmepumpen seit Jahrzehnten zum Standard - das beste Praxisargument gegen den Mythos, sie taugten nicht für kalte Tage.

Erd- und Grundwasserwärmepumpen sind von der Außentemperatur ohnehin weitgehend unabhängig: In wenigen Metern Tiefe herrschen das ganze Jahr über konstante Temperaturen um die 10 °C - egal, ob draußen Hitzewelle oder Dauerfrost ist.

Welche Arten von Wärmepumpen gibt es?

Der Kreislauf im Inneren ist immer derselbe - der Unterschied liegt darin, woher die Wärme kommt und wohin sie abgegeben wird:

Wärmepumpen-ArtWärmequelleBesonderheit
Luft-WasserAußenluftGeringster Installationsaufwand, am weitesten verbreitet
Sole-WasserErdreich (Erdsonde oder Flächenkollektor)Sehr effizient, da das Erdreich ganzjährig gleichmäßig temperiert ist
Wasser-WasserGrundwasserHöchste Effizienz, benötigt aber eine wasserrechtliche Genehmigung
Luft-LuftAußenluftGibt die Wärme direkt an die Raumluft ab - z. B. Klimaanlagen mit Heizfunktion

Welche Variante die richtige ist, hängt von Grundstück, Gebäude, Wärmebedarf und Budget ab - hier beraten wir Sie gerne individuell.

Übrigens: Kühlen kann sie auch

Viele Wärmepumpen beherrschen den Kreislauf auch in umgekehrter Richtung: Im Sommer entziehen sie den Räumen Wärme und geben sie nach draußen ab. So wird aus der Heizung eine Klimatisierung - je nach System als aktive Kühlung mit laufendem Verdichter oder als besonders stromsparende passive Kühlung über das kühle Erdreich.

Das Kältemittel: klein, aber entscheidend

Ohne Kältemittel kein Kreislauf - es ist der Stoff, der die Wärme durch die Anlage transportiert. Welche Kältemittel heute eingesetzt werden und warum die EU deren Verwendung neu geregelt hat, erfahren Sie in unserem Beitrag „Kältemittel im Wandel". Für Sie als Wärmepumpen-Interessent besonders relevant: Moderne Anlagen setzen zunehmend auf natürliche Kältemittel wie Propan (R290) - damit sind sie auch mit Blick auf künftige Vorschriften eine zukunftssichere Investition.

Fazit

Eine Wärmepumpe ist kein Hexenwerk, sondern angewandte Physik: Sie nutzt Wärme, die in Luft, Erde oder Wasser ohnehin vorhanden ist, und macht daraus mit wenig Strom behagliche Heizwärme. Das macht sie zu einer der effizientesten und klimafreundlichsten Heiztechniken, die es derzeit gibt - im Neubau ebenso wie in vielen Bestandsgebäuden.